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 Krankheiten
wolfry Offline




Beiträge: 63

10.08.2007 20:42
RE: Tripper (Gonorrhoe) antworten

Was ist Gonorrhoe?

* Gonorrhoe ist eine sexuell übertragbare Krankheit (sexually transmitted disease, STD), die durch Bakterien namens Neisseria gonorrhoeae, auch Gonokokken genannt, ausgelöst wird.
* Die Anzahl der Tripper-Erkrankungen ist im Zusammenhang mit der HIV-Epidemie und der Anwendung von so genanntem Safer Sex bis 1988 zurückgegangen und jetzt wieder im Ansteigen.
* Die Krankheit kommt besonders bei jungen, sexuell aktiven Menschen mit häufigem Partnerwechsel vor. Auch Geheimprostitution dürfte eine wichtige Rolle spielen.



Wie bekommt man Gonorrhoe?

* Gonorrhoe wird fast ausschließlich durch sexuelle Praktiken übertragen.
* Mütter, die Gonorrhoe haben, können ihre Kinder während der Geburt anstecken. Die Neugeborenen können dann eine ernsthafte Entzündung der Augen bekommen, die unbehandelt zur Blindheit führen kann. Früher war eine angeborene Gonorrhoe die wohl häufigste Ursache für die Erblindung von Kindern in der westlichen Welt. Um dies zu verhindern, wurde den Neugeborenen Silbernitrat in die Augen getropft (Crédé´sche Prophylaxe). Seither hat sich das Erregerspektrum geändert: Gonokokken spielen in den industrialisierten Ländern nur mehr in etwa 0,04 Prozent der Fälle eine Rolle als Erreger der angeborenen Augenentzündung (Ophthalmia neonatorum). Die wesentlichen Keime sind jetzt Staphylokokken und Chlamydien, auch eine Bindehautentzündung (Konjujnktivitis) und eine Hornhautentzündung (Keratitis) durch Herpes simplex-Viren stellen ein gewisses Risiko dar.

Die Crédé´sche Prophylaxe wird heute in Österreich durch Eintropfen einer 2,5-prozentigen Lösung von Polyvidon-Jod innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt in die Bindehautsäcke des Neugeborenen durchgeführt, da es im Gegensatz zu den früher gebräuchlichen Antibiotika ein deutlich breiteres Wirkungsspektrum hat, das auch Herpes simplex-Viren und HIV umfasst.



Welche Beschwerden treten auf?

Ungefähr die Hälfte aller infizierten Frauen haben keine Beschwerden. Bei den Männern sind etwa zehn bis 20 Prozent beschwerdefrei.

Die Gonorrhoe kann akut oder chronisch verlaufen. Die Verlaufsform wird durch Faktoren wie Keimzahl bei der Infektion, Aggressivität der Keime, Wirtsfaktoren und sehr häufig durch aus anderen Gründen verabreichte unzureichende Antibiotikabehandlung bestimmt.

* Der akute Verlauf ist sehr unangenehm, führt aber fast immer rasch dazu, dass eine adäquate Behandlung durchgeführt wird, wodurch eine weitere Übertragung der Erkrankung sowie das Auftreten späterer Komplikationen verhindert wird.
* Im Gegensatz dazu verursacht die chronische Verlaufsform kaum Beschwerden, wird deshalb aber häufig nicht oder spät erkannt und ermöglicht so die weitere Übertragung der Gonorrhoe und das Auftreten von Komplikationen oder Spätfolgen.

Beschwerden bei Männern

* Die ersten Beschwerden sind brennende Schmerzen beim Wasserlassen. Wenn es besonders schlimm ist, fühlt es sich so an, "als ob sich Glassplitter in der Harnröhre befänden".
* Ausfluss aus der Harnröhre - am Anfang ist der Ausfluss gering und schleimig, dann nimmt er sehr schnell zu und sieht gelblich cremig aus.
* Bei chronischer Verlaufsform kann sich eine aufsteigende Infektion des Urogenitaltrakts entwickeln (Epididymitis = Nebenhodenentzündung, Entzündung der Prostata), die wiederum zu Unfruchtbarkeit oder einer sehr unangenehmen chronischen Prostataentzündung führen kann.

Beschwerden bei Frauen


* Bei Frauen können die Beschwerden in der Frühphase sehr mild sein, da sie Ausfluss und leichtes Brennen beim Wasserlassen nicht als etwas Ungewöhnliches ansehen. Wenn die Schleimdrüsen im Bereich der äußeren weiblichen Geschlechtsteile befallen sind, kommt es zu der sehr schmerzhaften Entzündung der Bartholinschen Drüsen.

Möglicherweise kommt es zu übelriechendem Ausfluss aus der Scheide.

* Eine verhältnismäßig häufige Komplikation (bei ca. 20 Prozent der Patientinnen) ist die Beteiligung der Organe des kleinen Beckens in Form einer Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) oder einer Eileiterentzündung (Salpingitis), die in weiterer Folge zu Unfruchtbarkeit führen können.

Andere Manifestationen der Gonorrhoe

* Bei Analverkehr kann sich eine Entzündung im Enddarm entwickeln. Sie wird, wenn überhaupt, durch die Beschwerden einer Mastdarmentzündung (Proktitis) und/oder durch schleimig-eitrige Beimengungen im Stuhl bemerkt.
* Nach Oralverkehr kann eine Gonorrhoe des Mundrachenraums auftreten. Sie ist meist asymptomatisch, kann aber gelegentlich mit den Zeichen einer Rachenentzündung oder einer eitrigen Mandelentzündung (Tonsillitis) einhergehen.
* Gonokokkensepsis: Dies ist eine ausgebreitete Infektion (die Gonorrhoe "streut" über die Blutbahn in den ganzen Körper), die durch Fieber, Schüttelfrost und das "Dermatitis-Arthritis-Syndrom" (Gelenksschmerzen einzelner großer Gelenke, die bis zu einer eitrigen Gelenksentzündung fortschreiten können, sowie die klassischen hämorrhagischen Papeln (blutgefüllten Bläschen) an Fingern und Zehen) gekennzeichnet ist. In schweren Fällen folgen Gehirnhautentzündung und Herzmuskelentzündung.



Wer ist besonders gefährdet?

* Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern
* Personen, die ungeschützten Sex haben
* Bitte bedenken Sie, dass - je nach sozialem Umfeld - etwa 50 Prozent der erkrankten Frauen und bis zu 25 Prozent der erkrankten Männer Überträger sind, die selbst keinerlei Symptome zeigen. Daher wissen diese Menschen auch nicht, dass sie eine ansteckende Krankheit haben.

Einige Ratschläge

Praktizieren Sie Safer Sex, benutzen Sie Kondome. Falls Sie den Verdacht haben, an Gonorrhoe erkrankt zu sein, wenden Sie sich umgehend an einen Arzt, der Sie und Ihren Partner beziehungsweise Ihre Partnerin untersucht und behandelt.



Wie stellt der Arzt die Diagnose Gonorrhoe?

Die Bakterien sind in dem aus der Harnröhre stammenden Eiter mikroskopisch nachweisbar. Mit Hilfe eines Abstrichs aus der Harnröhre, der Gebärmutter, dem Rachen (bei oralem Verkehr) oder dem After können Gonokokken nachgewiesen werden.



Wie wird Gonorrhoe behandelt?

In erster Linie ist es wichtig, dass sowohl Sie als auch alle Ihre in Frage kommenden Partnerinnen oder Partner untersucht und behandelt werden. Penicillin war lange Zeit das gebräuchliche Mittel. Wegen der Zunahme von penicillinresistenten Gonokokken ist heute Ceftriaxon (ein Antibiotikum aus der Gruppe der Cephalosporine) das Mittel der Wahl. Bei Gonorrhoe besteht namenlose Meldepflicht bei allen Erkrankten und namentliche Meldepflicht bei Therapieverweigerern.


Prognose

* Wird eine Gonorrhoe rechtzeitig behandelt, müssen Sie mit keinerlei Spätfolgen rechnen.
* Eine unbehandelte Infektion kann sich ausbreiten und bei Frauen zu Entzündungen des Unterleibs und bei Männern zu einer Entzündung der Nebenhoden führen.
* Bei Frauen kann eine Gonorrhoe zu einem Verschluss der Eileiter führen, dadurch ist die Wanderung des Eies in die Gebärmutter erschwert. Bei einem schon befruchteten Ei besteht die Möglichkeit einer Eileiterschwangerschaft, des weiteren kann ein beidseitiger Verschluss des Eileiters zu Sterilität führen.
* In sehr seltenen Fällen erfolgt eine Ausbreitung auf den gesamten Körper. Hier spricht der Mediziner von einer Gonokokkensepsis. In diesem Fall kommt es zu Gelenkentzündungen, charakteristischen Hautauschlägen mit roten Pusteln, Fieber und Schüttelfrost. Leider treten in den letzten Jahren häufiger penicillinresistente Gonokokken-Stämme aus Asien und Afrika auf, was natürlich die Behandlung erschwert.



Autor: Prof. Dr. Gerhard Tappeiner

Wer alles leicht nimmt, wird viele Schwierigkeiten haben!!! :D

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